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 Betreff des Beitrags: Künstliche Welten gegen Angst und Schmerz bei kranken Kinder
BeitragVerfasst: 04.03.2012, 11:28 
Redaktion
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Künstliche Welten gegen Angst und Schmerz bei kranken Kindern

Quelle: Deutsches Ärzteblatt
© dapd/aerzteblatt.de
05.Januar 2012

Montreal – Virtuelle Welten, die im kanadischen Montreal entstehen, sollen einst die Ängste und Schmerzen traumatisierter Kinder lindern helfen. Patrick Dubé, der ein Team von Medizinern des Sainte-Justine-Krankenhauses und Computerfachleuten in der franko-kanadischen Stadt leitet, erklärt: „Man könnte ein Kind, das unter Brandwunden leidet, in eine virtuelle Polarwelt versetzen und damit den Schmerz dämpfen.“

Es sei bekannt, dass kognitive Illusionen Einfluss auf die Wahrnehmung von Schmerz hätten, sagt Dubé. So könne das schwer brandverletzte Kind durch eine Stimulation der Sinne das Gefühl bekommen, von einem Eisblock umschlossen zu sein - und dadurch weniger Schmerzen haben. Ein anderer kleiner Patient könne beispielsweise durch dreidimensionale Bilder vom Kinderzimmer daheim vergessen, dass er eigentlich fern von zu Hause in einer Klinik liegt.

Das Team arbeitet in der Satosphère, dem Sitz der Gesellschaft für Kunst und Technologie in der Metropole der Provinz Québec. Zur Satosphère gehört ein Kuppelbau von 18 Metern Durchmesser, in der 360-Grad-Projektionen rund um die Zuschauer möglich sind. Die Wissenschaftler erforschen an der Satosphère neue Therapiemöglichkeiten durch sogenannte immersive Technologien, die Menschen in eine künstliche Welt in einer virtuellen Realität eintauchen lassen können.

In der Praxis heißt das, dass beispielsweise durch verschiedene Projektoren ganze Raumwelten entstehen können - nicht nur mitsamt Wänden, sondern sogar mitsamt Mobiliar. Um konkret für ihre medizinischen Zwecke zu forschen, haben die Wissenschaftler auf dem Satosphèregelände ein künstliches Krankenzimmer aufgebaut.

Eines der Projekte der Ärzte und Computerexperten ist die virtuelle Verwandlung medizinischer Instrumente in harmloses fantastisches Spielzeug.

So lässt die kleine Tochter eines Forschers aus einer Spritze eine Rakete entstehen, die eine Rolle in einem Videoclip spielt. Technisch möglich wird dies durch eine mit einem Computer verbundene Videokamera und zwei Bildschirme.

Ziel ist es, Kinder mit medizinischem Gerät vertraut zu machen und ihnen - so zumindest die Theorie - ihre Furcht davor zu nehmen. Und Forschertochter Maxime, elf Jahre alt, sagt tatsächlich: „Ich habe jetzt keine Angst mehr vor Spritzen!"

Parallel arbeiten die Forscher an Avataren, virtuellen Personen, die stellvertretend für echte Menschen stehen. Diese Avatare sollen traumatisierten Kindern die Kommunikation mit Erwachsenen ermöglichen, wenn die Jungen und Mädchen sich nicht direkt mitteilen möchten - eine Art Hightechpuppenspielerei also, die eines Tages kleinen Patienten helfen soll, wieder Kontakt zu ihrer Umwelt aufzunehmen.

Die einzelnen Forschungsprojekte hätten alle ein Ziel: Kranken Kindern zu helfen, ihre Ängste zu überwinden, betont Patricia Garel, Chefin der Psychiatrie am Sainte-Justine-Klinikum. Die Technologie habe ein enormes Potenzial, doch noch stünden die Forscher ganz am Anfang.

Zwar können virtuelle Kommunikation und Videospiele negative Auswirkungen auf das Sozialverhalten von Kindern haben, vor allem auf emotional eher labile Jungen und Mädchen. Doch Garel betont, dass die in Montreal erforschten modernen Technologien, sofern sie korrekt angewendet werden, traumatisierten Kindern einen virtuellen Weg zurück in ein normales Leben zeigen können.

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